Dritte Folge: „Adirondack – Fragen, die man jetzt nicht mehr stellen kann“

Advance Guitars – Ein Monolog von Inoue

Einleitung

Hallo. Ich bin Inoue, der Geschäftsführer von Advance Guitars.
In letzter Zeit habe ich immer öfter die Gelegenheit, Artikel für Musikmagazine zu schreiben.
Im Laufe der Zeit haben sich nach und nach Themen angesammelt, bei denen ich dachte: „Das konnte ich in den Artikeln nicht vollständig behandeln, aber ich würde gerne etwas tiefer darauf eingehen.“
Außerdem kommt es oft vor, dass ich im täglichen Umgang mit Kunden oder beim Betrachten der Gitarren selbst
halte ich oft inne und frage mich: „Wie ist das eigentlich wirklich?“
Könnte ich die Fragen und Erkenntnisse, die mir in solchen Momenten kommen, nicht in einer freieren Form zum Ausdruck bringen?
So entstand die „Solo-Monolog-Reihe“ auf YouTube.
In dieser Serie behandle ich Themen rund um die Akustikgitarre so breit wie möglich und konzentriere mich dabei vor allem auf das, was ich selbst „interessant“ finde.
In diesem Artikel habe ich die Serie zusammengefasst und dabei Aspekte ergänzt, die sich allein durch Videos nur schwer vermitteln lassen.
Ich würde mich freuen, wenn ihr die Welt der Akustikgitarre dadurch aus einem etwas neuen Blickwinkel genießen könntet.

Teil 3: „Adirondack – Fragen, die man jetzt nicht mehr stellen kann“

Was ist Adirondack-Fichte eigentlich? Was ist der Unterschied zur Rotfichte?

In dieser Folge geht es um das Deckenholz, das für Akustikgitarren verwendet wird.
Als Deckenholz für Akustikgitarren werden häufig Fichte, Zeder und Mahagoni verwendet, aber ich möchte hier über Fichte sprechen.

Und zwar um die sogenannte Adirondack-Fichte.
Für Liebhaber von Vintage-Akustikgitarren ist sie vielleicht das Material der Wahl.
Adirondack-Fichte wurde angeblich bereits in den Martin- und Gibson-Gitarren aus der Vorkriegszeit verwendet und wird auch heute noch in hochwertigen und authentischen Modellen eingesetzt – man könnte sie sozusagen als Königin der Fichtenhölzer für Akustikgitarren bezeichnen.

Diese Adirondack-Fichte hat noch einen weiteren Namen.
Und zwar „Red Spruce“.
Wer sich mit aktuellen Gibson-Modellen auskennt, hat diesen Namen vielleicht schon einmal gehört.

In diesem Beitrag möchte ich mich damit beschäftigen, was Adirondack-Fichte und was Red Spruce eigentlich sind.

Zunächst zur Red Spruce: Ihr wissenschaftlicher Name lautet Picea rubens.
Auf Japanisch wird sie „Akatouhi“ genannt.
Es handelt sich um einen immergrünen Nadelbaum aus der Familie der Kieferngewächse (Pinaceae) und der Gattung der Fichten (Picea).

„Picea“ bezeichnet eine Gruppe immergrüner Nadelbäume der Familie der Fichtengewächse, und „rubens“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „rot“ – es ist auch die Wortwurzel für den roten Edelstein Rubin.
Da es sich um eine Fichte mit roter Rinde handelt, lautet der Name Picea rubens.

Übrigens heißt die ebenfalls häufig verwendete Sitka-Fichte „Picea sitchensis“.
Es handelt sich also ebenfalls um einen immergrünen Nadelbaum aus der Gattung Picea, und „sitchensis“ soll auf Sitka verweisen.
Und Sitka ist der Name einer Hafenstadt in Alaska.
Während der Name „Red Spruce“ von der Farbe der Rinde abgeleitet ist, lässt sich erkennen, dass der Name „Sitka-Fichte“ von einem Ortsnamen stammt.

Bei meinen Recherchen habe ich festgestellt, dass dieser Ortsname auch für die Betrachtung von Red Spruce und Adirondack Spruce von Bedeutung ist.
Die Adirondack-Fichte ist also letztlich eine Unterart der Red Spruce.

Die Rottanne kommt offenbar hauptsächlich im Nordosten der USA vor.
Ich habe das auf einer Karte dargestellt.

Die Sitka-Fichte hingegen kommt hauptsächlich an der nordwestlichen Pazifikküste Nordamerikas vor.
Das zuvor erwähnte Alaska liegt auf dem nordamerikanischen Kontinent, nordwestlich von Kanada.

Man kann sich das also so vorstellen, dass Adirondack und Sitka grob gesagt im Osten und Westen zu finden sind.

Da es hier um die Rottanne und Adirondack geht, möchte ich mich auf den Nordosten konzentrieren.

Hier erstreckt sich das Appalachengebirge, und es gibt Aufzeichnungen, dass die Firma Martin, die seit jeher Rotfichte verwendete,
und es gibt Aufzeichnungen, dass mehrere Unternehmen in diesem Nordosten als Lieferanten für Fichtenholz dienten.

Im Norden des Bundesstaates New York erstrecken sich die Adirondack Mountains,
und die dort gewonnene Rottanne wurde hauptsächlich in der „Goldenen Ära“ von Martin, etwa von 1933 bis 1941, verwendet.

Da dieses Holz in der Goldenen Ära verwendet wurde,
hat sich wohl die Vorstellung durchgesetzt, dass Adirondack-Fichte für die besten Gitarren verwendet wird.
Da die Martin-Gitarren aus dieser Zeit tatsächlich durchweg hervorragend sind, kann man dieser Ansicht aus Sicht des Spielers wohl nur zustimmen.

Wenn man „Adirondack-Fichte“ streng definieren wollte, wäre damit die in den Adirondack Mountains gewonnene Rotfichte gemeint, doch die Firma Martin hat natürlich nicht für jedes einzelne Produkt genau dokumentiert, von welchem Berg diese Fichte stammt.

Daher stammen die Fichtenhölzer für Martin-Gitarren aus der Zeit vor 1945 aus einer Vielzahl von Quellen.

Zunächst einmal die 1800er Jahre.
Es gibt Aufzeichnungen, wonach Martin in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zeitweise Fichtenholz von einem Unternehmen in Pennsylvania bezog, wo sich die Martin-Fabrik befand.

Danach, um die Jahrwende 1900, stammte das Fichtenholz offenbar aus den White Mountains in New Hampshire, und um 1910 waren Ohio und West Virginia die Hauptlieferanten.

Ich vermute, dass diese Fichten unter dem Begriff „Rote Fichte“ zusammengefasst wurden.
Wie bereits erwähnt, ist es nicht möglich, jedes einzelne Exemplar zu dokumentieren, weshalb der Begriff „Adirondack-Fichte“ heute wohl im weiteren Sinne verwendet wird.
Vielleicht sollte man die Begriffe „Adirondack-Fichte“ und „Rote Fichte“ besser im weitesten Sinne verstehen.

Ich habe zwei Martin D-28 bereitgestellt.
Die eine ist eine D-28 aus Sitka-Fichte, die andere eine D-28 Authentic.

2017er D-28 aus Sitka-Fichte

D-28 Authentic von 2015

Für die Authentic-Modelle wird Adirondack-Fichte verwendet.
Es wird oft gesagt, dass Adirondack-Fichte eine grobe Maserung hat, und wenn man die beiden vergleicht, ist der Unterschied in der Maserung offensichtlich, sodass ich denke, dass diese Aussage durchaus ihre Berechtigung hat.
Betrachtet man hingegen Fichtenholz aus der Vorkriegszeit, so ist die Maserung nicht unbedingt so grob, sondern es gibt auch Holz mit feiner Maserung.
Man kann also zwar sagen, dass Adirondack-Fichte eine grobe Maserung hat, aber wenn man die lange Geschichte betrachtet, bin ich mittlerweile der Meinung, dass das vielleicht nicht ganz zutrifft.

Was diese grobe Maserung angeht, so denke ich, dass klimatische und umweltbedingte Faktoren eine große Rolle spielen.
Wie ich bereits in der ersten Folge erwähnt habe, ist dieser Unterschied in der Porengröße auf die Wachstumsgeschwindigkeit zurückzuführen.

Eine grobe Maserung bedeutet, dass das Holz schnell gewachsen ist.
Betrachtet man nur diese beiden Bäume, so wächst die Adirondack-Fichte schneller als die Sitka-Fichte.

Ab hier handelt es sich um meine eigenen Überlegungen, aber da mich das Thema interessierte, habe ich die Temperaturentwicklung in der Region um die Adirondacks sowie die jährliche Temperaturentwicklung in Sitka, Alaska, untersucht.

* Durchschnittstemperatur im Adirondack-Gebirge

* Durchschnittstemperatur in der Region Sitka

Dabei zeigte sich, dass es in der Adirondack-Region im Vergleich zur Sitka-Region Temperaturschwankungen gab, sodass es dort sowohl kälter als auch wärmer war.
Ich vermute, dass die warmen Sommer dabei eine wichtige Rolle spielen.
Jahresringe werden in Frühholz und Spätholz unterteilt, wobei das Frühholz der Teil ist, der in der warmen Jahreszeit wächst.
Die Größe der Jahresringe in den Adirondacks ist auf den Teil zurückzuführen, der im Sommer wächst, also das sogenannte Frühholz.

Daher vermute ich, dass sich der Temperaturunterschied zur Sitka-Region auf diese Weise auch in der Breite der Jahresringe widerspiegelt.
Da die Temperaturen bei der Sitka-Fichte hingegen relativ stabil sind, vermute ich, dass die Maserung dort tendenziell gleichmäßig dichter ist.

Wenn man bedenkt, dass ein einziges Stück Holz, das für Akustikgitarren verwendet wird, eine solche Geschichte in sich trägt, wird mir immer wieder bewusst, dass es sich um ein Produkt handelt, dessen Faszination unerschöpflich ist.
Da es keine Grenzen gibt, tauche ich immer tiefer in diese Welt ein.
Da man dabei auch etwas über Kultur, Geschichte, Geografie und Biologie lernt, ist es natürlich toll, das Instrument zu spielen, aber ich persönlich finde es auch ein großer Vorteil der Akustikgitarre, dass man sich an solchen Geschichten erfreuen kann.

Ich hoffe, dass ich auch in Zukunft ohne allzu viele Einschränkungen auf diese Weise breit gefächert über Akustikgitarren sprechen kann.
Ich freue mich auf das nächste Update.

Vielen Dank.