Die D-45 thront weiterhin als die Königin unter den Akustikgitarren, doch wenn man tiefer in ihre Geschichte eintaucht, wird deutlich, dass hinter den unsichtbaren inneren Strukturen und feinen Details ein ständiger Prozess des Ausprobierens und der Weiterentwicklung steckt.
Jedes Mal, wenn wir die Details der verschiedenen D-45-Modelle betrachten, spüren wir das Gewicht der Geschichte: Wie Martin es geschafft hat, den „Klang des goldenen Zeitalters“ zu bewahren und die Gitarre gleichzeitig an die Bedürfnisse der Musiker der jeweiligen Epoche anzupassen.
Dies gilt zwar nicht nur für die D-45, doch die Entwicklung des Halsstabs ist ein Paradebeispiel für „unsichtbare, dramatische Veränderungen“.
Heute ist ein verstellbarer Halsstab, mit dem sich die Krümmung des Halses bei einer Akustikgitarre anpassen lässt, eine selbstverständliche Funktion. Tatsächlich wurde dieser bahnbrechende Mechanismus bereits in den 1920er Jahren von der Firma Gibson erfunden. Dennoch setzte Martin bis zum Jahr 1985 konsequent auf nicht verstellbare Halsstäbe (wie T-Bars oder Square Rods).
Hintergrund dafür war wohl auch die Tatsache, dass es wie bei der Violine eine etablierte Reparaturtechnik namens „Neck Reset“ gab. Vor allem aber glaube ich, dass es den absoluten Stolz auf die traditionellen Techniken und die damit verbundene „Besessenheit vom Klang“ gab.Es ist von großer Bedeutung, dass man sich nicht von allgemeinen Konventionen oder der Einfachheit der Einstellung leiten ließ, sondern konsequent am eigenen Stil festhielt. Gerade deshalb kann man sagen, dass der Wechsel zu verstellbaren Stäben im Jahr 1985 eine äußerst dramatische Änderung der Spezifikationen darstellte, auch wenn dies äußerlich nicht sichtbar ist.
Wenn man die Instrumente tatsächlich im Vergleich spielt, ist der Klangunterschied deutlich zu spüren. Während Modelle mit Square-Rod einen kraftvollen, kernigen Klang erzeugen, vermitteln Modelle mit Adjustable-Rod den Eindruck eines geschmeidigen, ausgewogenen und sehr gut zu handhabenden Klangs.
Interessant ist, dass in den 1990er Jahren, nachdem sich die verstellbare Halsstange etabliert hatte, aus einer starken Sehnsucht nach der D-45 der 1970er Jahre heraus in limitierter Auflage Modelle mit quadratischer Halsstange hergestellt wurden. Dies zeigt, wie tief Martins Tradition und ihr Anspruch in den Herzen der Nutzer weiterleben und geliebt werden.
Sowohl der kräftige, tiefe Klang der Vorkriegsmodelle als auch die raffinierte Klangbalance der modernen Modelle haben ihren Ursprung in den feinen Details der Instrumente selbst. Ich glaube, dass es ein Vergnügen ist, durch den Vergleich der Unterschiede zwischen den verschiedenen Epochen darüber nachzudenken, warum gerade diese D-45 einen solchen Klang erzeugt.
Ich würde mich freuen, wenn Sie diese Ansammlung kleiner historischer Details in der unten aufgeführten D-45-Galerie genießen könnten.