Notfall! Die Rosewood-Regelungen und die Hintergründe zu New Hacaranda

Seit Anfang 2017 wurde im Rahmen des Washingtoner Artenschutzabkommens beschlossen, den internationalen Handel mit Rosenholz einzuschränken. Es gibt sogar Gerüchte, dass es bald nicht mehr als Gitarrenholz verwendet werden darf.
Rosenholz wird bei Akustikgitarren vielseitig eingesetzt – für Zargen und Boden, Griffbrett und Steg. Es ist aus Akustikgitarren einfach nicht wegzudenken. Wusstest du eigentlich, dass es bei Rosenholz, das nun allgemein reguliert wird, tatsächlich viele verschiedene Arten gibt?

Zudem gibt es bereits Palisanderarten, die unter Beschränkungen fallen, und selbst der berühmte Hersteller Martin hat im Laufe der Zeit – von Vintage-Modellen bis hin zu modernen Instrumenten – eine Vielzahl verschiedener Palisanderarten verwendet.
In diesem Beitrag nehmen wir diese derzeit viel diskutierten Palisanderarten gemeinsam mit Martin-Gitarren, die die Geschichte der Akustikgitarre geprägt haben, unter die Lupe!

Was ist Palisander? Warum wird er für Gitarren verwendet?

Was ist Palisander?

Zunächst einmal: Was ist Palisander eigentlich? Du weißt sicher schon grob, dass es sich um ein Holz handelt, das für Gitarren verwendet wird, aber eigentlich ist „Palisander“ (Rosewood) ein Sammelbegriff für Pflanzen, die zur Gattung Delbergia innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae) gehören.

In Japan wird es auch „Shitan“ genannt und ist als edles Holz bekannt, das neben Musikinstrumenten auch für Möbel, Kunsthandwerk und Autoinnenausstattungen verwendet wird. Den Namen „Rosewood“ erhielt es, weil der Querschnitt des Holzes einen rosigen Duft verströmt.

Warum Rosenholz als Gitarrenholz gewählt wird

Aufgrund seiner hervorragenden Stabilität nach der Trocknung, seiner Langlebigkeit und seiner akustischen Eigenschaften wird Rosenholz schon seit langem für Akustikgitarren verwendet. Es weist meist eine ruhige Maserung in einem dunklen Rotbraun auf, und die einzigartigen, harzhaltigen Adern wirken exotisch und wunderschön. Je nach Holzpartie verändert sich sein Ausdruck und es strahlt eine ganz besondere Ausstrahlung aus.

Was ist Hacalanda? Der Unterschied zu Jacaranda

In Japan wird es oft unter dem spanischen Namen „Hakaranda“ bezeichnet, ist aber eine völlig andere Pflanze als die Jacaranda aus der Gattung Jacaranda in der Familie der Bignoniaceae. In den 1960er Jahren, als sowohl E-Gitarren als auch Akustikgitarren in großem Umfang hergestellt wurden und Hakaranda häufig verwendet wurde, wurde es im Washingtoner Artenschutzabkommen als gefährdete Art eingestuft. Der Holzeinschlag und der internationale Handel wurden daraufhin reguliert.

Auch heute noch wird es als Holz der Spitzenklasse geschätzt, und sowohl Vintage-Gitarren aus Hacaranda als auch Gitarren, die aus damals gelagertem Holz gefertigt wurden, erzielen hohe Preise. Klare, durchdringende Höhen, straffe und druckvolle Bässe, makellose Obertöne und eine beeindruckende Klangfülle – das ergibt einen einzigartigen Klang.

Da dieses brasilianische Palisanderholz nicht mehr verwendet werden darf, sind viele Ersatzhölzer aus der Palisander-Familie auf den Markt gekommen.

Eigenschaften des brasilianischen Palisanders (Hacalanda)

Martin D-28 und Jacaranda

Martin D-28

Wenn man von Martins Flaggschiffmodellen spricht, ist das hier das erste, was einem einfällt: die D-28.
Die D-28, die weithin als weltweiter Standard gilt, verwendet Palisander für Zargen und Boden.

Dieses Modell, das 1931 erstmals als Martin Dreadnought produziert wurde, verwendete von Produktionsbeginn bis 1969 Jacaranda als Palisanderholz.

Die D-28 aus den 50er- und 60er-Jahren, die man allgemein als Inbegriff einer Vintage-Gitarre bezeichnen kann, bietet einen einzigartigen, kraftvollen und weitreichenden Klang, der durch die für Jacaranda typische Brillanz ergänzt wird und so einen Klang der Extraklasse erzeugt.

1967 Martin D-28

Ein luxuriöses Exemplar mit einem zweiteiligen Boden aus Hacalanda. Ein wunderschönes Exemplar mit einer klaren, fließenden Maserung.

Bei Hacalanda gibt es zwar von Natur aus große individuelle Unterschiede in der Maserung, aber gerade bei den Martins aus dieser Zeit findet man sowohl Querschnitt als auch Längsschnitt, sodass man Hacalanda mit den unterschiedlichsten Maserungen sehen kann.

Das für Jacaranda typische Gefühl, dass der gesamte Frequenzbereich nach vorne drängt, passt perfekt zur Kraft der D-28.

Martin D-35 und Jacaranda

Martin D-35

Die D-35 entstand 1965 als 3-teiliges Rückenteil-Modell der D-28. Die Geschichte hinter ihrer Entstehung: Da das Hakalanda-Holz damals auf dem Markt knapp wurde, hat Martin die wenigen verfügbaren Holzstücke miteinander verleimt und so die D-35 auf den Markt gebracht.

Auf den ersten Blick scheint die dreiteilige Rückenkonstruktion nur dazu da zu sein, die Materialausbeute zu erhöhen, doch durch ihr einzigartiges Aussehen und die Verwendung von Halsbindungen strahlt sie eine unvergleichliche Präsenz und Hochwertigkeit aus.

Zudem sorgt die im Vergleich zur D-28 dünnere Deckenverstrebung für den feinen und reaktionsfreudigen Klang, der so typisch für die D-35 ist. Da die Produktion 1965 begann und Hacalanda-Holz nur bis 1965 verwendet wurde, sind D-35-Modelle mit Hacalanda-Holz besonders wertvoll.

1969 Martin D-35

Ein deutlich erkennbares Maserbild in dunklem Rotbraun mit tiefer Maserung und markanten Harzadern.

Die Vorzüge des dreiteiligen Bodens kommen voll zur Geltung und lassen die vielfältigen Facetten des Jacaranda-Holzes erkennen.
Der tiefe und zugleich klare, trockene Klang des Jacaranda verbindet sich mit dem ausgewogenen Klang des dreiteiligen Bodens zu einem faszinierenden Gesamtklang.

Was ist indisches Palisanderholz? Eigenschaften und Vorschriften

Eigenschaften von indischem Palisander

Da brasilianisches Palisanderholz immer seltener wurde, wurde dieses indische Palisanderholz häufig als Ersatz verwendet.

Da es schnell wächst und in großen Mengen geerntet werden kann, handelt es sich bei Holz, das allgemein nur als „Palisander“ für Gitarren angegeben wird, meist um diese Holzart. Der Großteil des im Handel erhältlichen Holzes stammt aus Westindien oder aus Plantagen in Südostasien und wird auch als Ostindischer Palisander bezeichnet.

Im Vergleich zu Jacaranda zeichnet es sich durch breitere Leitgefäße und eine geringere Rötung aus. Die Maserung ist meist gleichmäßig, exotische Maserungen wie bei Jacaranda sind nicht zu finden.
Klanglich bietet es im Vergleich zu Jacaranda einen flexiblen, vielseitigen Klang mit einem breiten Frequenzspektrum.

Im Vergleich zu anderen Palisander-Holzarten klingt es oft etwas weicher und ruhiger.Die individuellen Unterschiede sind groß, und der Klang des ausgewählten Holzes, der über den gesamten Frequenzbereich geschmeidig und kraftvoll ist, solltest du dir unbedingt anhören. Die Versorgung war bisher stabil, doch wohl aufgrund der anhaltenden illegalen Abholzung und des Imports anderer Arten unter dem Deckmantel von „Indian Rosewood“ wurden 2017 im Rahmen des Washingtoner Artenschutzabkommens Beschränkungen für alle Palisanderarten (Gattung Dalbergia) beschlossen. Auch Indian Rosewood fällt nun unter diese Beschränkungen.
Es handelt sich zwar nicht um ein vollständiges Verbot wie bei dem Hacalanda, aber die weitere Entwicklung gibt Anlass zur Sorge.

Martin 000-28

Die OM-28 wurde 1929 als Martins erste Gitarre mit 14-Bund-Verbindung produziert.
Als die Produktion der ursprünglichen OM 1933 eingestellt wurde, kam die 000-28 auf den Markt.Dieses Modell mit einem Korpus in OM-Größe und derselben Mensur wie die Modelle 0 und 00 zeichnet sich durch eine hervorragende Ansprache sowie einen feinen, glanzvollen Klang aus. Dank des kompakten Korpus und der kurzen Mensur ist das Fingerspielen besonders einfach, weshalb es bei Fingerpicking-Gitarristen sehr beliebt ist.

Auch seit 1970, als das von Anfang an verwendete Jacaranda durch indisches Palisanderholz ersetzt wurde, erfreut es sich – ebenso wie die Dreadnought – bei vielen Spielern großer Beliebtheit.

Martin 000-28

Indisches Palisanderholz mit einer sanft fließenden Maserung.

Auch bei der heutigen Firma Martin gibt es bei der Maserung des indischen Palisanders große individuelle Unterschiede, sodass man verschiedene Ausprägungen beobachten kann.
Das weiche, geschmeidige und ausgewogene indische Palisanderholz passt hervorragend zur 000-28, deren Stärke gerade in ihrer Feinheit liegt.

Martin D-45

Die erste D-45 wurde 1933 auf Bestellung des Country-Sängers Gene Autry gefertigt; bis 1942 wurden insgesamt 91 Exemplare hergestellt.

Es heißt, dass nur noch etwa 70 Exemplare erhalten sind – sie ist also ein absolutes Rarität unter den Raritäten. Die Materialien und die Qualitätskontrolle wurden strenger geprüft als bei jedem anderen Modell von Martin, weshalb nur wenige Exemplare hergestellt wurden und ausschließlich erfahrene Handwerker mit der Fertigung betraut waren.

Die D-45, die bekanntermaßen von Crosby, Stills, Nash & Young sowie Eric Clapton bevorzugt wurde, wurde 1968 aufgrund der großen Nachfrage vieler begeisterter Fans wie Mike Longworth wieder in Produktion genommen und ist bis heute das Flaggschiff von Martin, das zahlreiche Hersteller und Gitarrenbauer weiterhin beeinflusst.

1979 Martin D-45

Die D-45 aus dem Jahr 1979 zeichnet sich durch eine gerade und klare Maserung aus.

Das indische Palisanderholz, das zusammen mit Fichte speziell für die 45er-Serie ausgewählt wurde, strahlt eine überwältigende Kraft und Obertöne aus. Indisches Palisanderholz bietet eine breite Auswahl – von preisgünstigen Einsteigermodellen verschiedener Hersteller bis hin zu Qualitäten, die dem Status von Martins Spitzenmodell gerecht werden.

Martin D-41

Die D-41, die zwischen der D-35 und der D-45 angesiedelt ist, kam 1969 auf den Markt. Von den allerersten D-41-Modellen mit Jacaranda-Korpus existieren nur 31 Exemplare – eine extrem geringe Stückzahl, selbst im Vergleich zu den 229 D-45-Modellen mit Jacaranda-Korpus, die zwischen 1968 und 1969 neu aufgelegt wurden.

Dieses Modell besticht durch seine Intarsien aus Perlmutt, die denen der D-45 in nichts nachstehen.

1975 Martin D-41

Hier siehst du eine D-41 aus dem Jahr 1975 mit Indian Rosewood-Korpus. Die gleichmäßig verlaufende Maserung verleiht ihr eine hochwertige Anmutung, die sich sogar von der D-28 abhebt.

Wie man es von den Modellen der 40er-Serie erwartet, überzeugt der Klang durch Kraft und eine hervorragende Ausgewogenheit. Da auch die Exemplare aus indischem Palisander aus den 70er-Jahren immer seltener werden, steigt ihre Seltenheit zunehmend.

Nachwort

Wie hat es dir gefallen? Dieses Mal haben wir dir – ausgehend vom brasilianischen Palisander, dem Urvater der hochwertigsten Palisanderhölzer – den indischen Palisander vorgestellt, der seit den 60er- und 70er-Jahren bis heute am häufigsten für Martin-Gitarren verwendet wird! Aufgrund der Beschränkungen durch das
Washingtoner Artenschutzabkommen wird über Verbote und die Notwendigkeit von Genehmigungsanträgen diskutiert, sodass die zukünftige Entwicklung des Palisanders mit Spannung verfolgt wird. Die Musikinstrumentenbranche steht möglicherweise vor einem großen Wendepunkt.
Nächstes Mal möchte ich dir andere seltene Palisanderarten vorstellen, die ausgewählt wurden, um die Lücke zu füllen, die durch den Verlust des Jacaranda entstanden ist! Das solltest du dir nicht entgehen lassen!

Autor dieses Artikels: Inoue – Geschäftsführer von Advance Guitars und Experte für Vintage-Gitarren

Er hat schon als Kind mit Musikinstrumenten zu tun gehabt und ist ein Experte, der sich mit der Begutachtung und dem Verkauf von über tausend Vintage-Gitarren beschäftigt. Er verfügt über enge Kontakte zu Sammlern und Händlern im Ausland. Getreu seinem Motto „Die Geschichte einer Gitarre kann sich schon durch eine Farbe oder einen Stempel ändern“ legt er Wert auf detailverliebte und liebevolle Erläuterungen.

Qualifikationen und Erfolge: Seit 8 Jahren als Musikinstrumenten-Gutachter tätig, schreibt und arbeitet

als Redaktionsberater für Magazine wie das „Guitar Magazine“

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