~Klänge aus der Zeit vor 170 Jahren~
~Klänge aus der Zeit vor 170 Jahren~
Gitarren des 19. Jahrhunderts waren nach heutigen Maßstäben überraschend klein.
In den damaligen „Salons“ (Wohnzimmern) gab es eine Kultur, in der sich Familie und Freunde versammelten, um gemeinsam Musik zu genießen, und in diesem Raum wurde die „Parlor-Gitarre“ gespielt.
Der sanfte Klang, der aus dem kleinen Korpus erklang, symbolisierte die Wärme des Zuhauses.
Die hier vorgestellten Gitarren sind Werke berühmter Meister aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert, darunter Martin aus den 1850er Jahren sowie Stewart & Bauer und Washburn.
Überall spürt man die Handwerkskunst der Meister, die nach Klang und Schönheit strebten, etwa in der Verwendung von brasilianischem Palisanderholz und Perlmuttverzierungen.
Die Parlor-Gitarre, die Pracht und Feinheit in sich vereint, ist nicht nur ein Musikinstrument, sondern auch ein Kunstwerk, das die Lebenskultur und das Schönheitsempfinden jener Zeit widerspiegelt.
Ihr Klang berührt die Herzen der Menschen auch heute noch, mehr als 150 Jahre später.
Große Akustikgitarren, wie die D-28 und die J-45, sind heute aus der Musikszene nicht mehr wegzudenken.
Von Country über Blues bis hin zum Rock haben ihr voller Klang und ihre kraftvolle Resonanz viele Musikrichtungen geprägt.
Diese „großen Akustikgitarren“ haben sich erst seit dem 20. Jahrhundert etabliert.
Die 1934 von Gibson vorgestellte Jumbo und die 1931 von Martin auf den Markt gebrachte D-28 (12-Bund-Ausführung) waren ihre symbolträchtigen Vertreter.
Geht man noch weiter zurück, war die Dreadnought, die Martin 1916 im Auftrag der Firma Dittson baute, der Vorläufer dieser Vergrößerung.
Ich vermute, dass der Hintergrund dafür darin lag, dass in der damaligen Country-Musik eine Gitarre gefragt war, deren Lautstärke sich gegen Instrumente wie Banjo, Mandoline, Geige und Kontrabass behaupten konnte.
Wie sahen die Gitarren davor aus?
Im 19. Jahrhundert waren nach heutigen Maßstäben erstaunlich kleine Größen die Regel.
Selbst die „0 (Single-O)“-Größe, die Martin angeblich 1854 auf den Markt brachte, gilt heute als „kleine Gitarre“, galt damals jedoch als eine der größten Gitarren und wurde in den Preislisten der 1870er Jahre sogar als „Largest Concert Size“ bezeichnet.
Auch in der Welt der klassischen Gitarre ist ein Trend zu größeren Instrumenten zu beobachten.
Der berühmte spanische Gitarrenbauer Antonio de Torres aus dem 19. Jahrhundert strebte nach einer Lautstärke, die den Anforderungen von Konzerthallen gerecht wurde. Er versuchte, die Fan-Verstrebung zu verbessern und den Korpus zu vergrößern, und legte damit den Grundstein für die moderne klassische Gitarre.
So vollzog die Gitarre vom 19. bis ins 20. Jahrhundert einen großen Wandel von kleinen zu großen Modellen.
Unser Fokus liegt diesmal auf der „Parlor-Gitarre“, einer kleinen Gitarre, die damals in den Haushalten beliebt war und sich bewusst gegen diesen Trend der „Vergrößerung“ stellte.
Es wird gesagt, dass der Begriff „Parlour“ (in den USA „parlor“) ursprünglich im mittelalterlichen Europa als Bezeichnung für einen „Raum im Kloster, in dem Gespräche erlaubt waren“ entstand.
Da Mönche in den Kreuzgängen normalerweise Schweigen bewahren mussten, wurde der spezielle Raum, in dem sie mit Außenstehenden oder Mitbrüdern sprechen durften, als „Parlour“ bezeichnet.
Schließlich fand dieser Begriff Eingang in das bürgerliche Leben,
und wurde im englischsprachigen Raum des 18. und 19. Jahrhunderts im Sinne von „Empfangsraum“ oder „Gästezimmer“ verwendet.
Daher war der Salon (Empfangs- oder Gästezimmer) als Raum zur Begrüßung von Besuchern der am prächtigsten ausgestattete Raum, in dem Kunstwerke und Musikinstrumente bereitstanden, und galt als Symbol für die Mittelschicht.
Im englischsprachigen Raum des 19. Jahrhunderts diente der Salon (Empfangsraum) nicht nur der Bewirtung von Gästen, sondern auch als Ort für gesellschaftliche Zusammenkünfte und musikalische Darbietungen innerhalb der Familie (sogenannte Salonmusik).
Es war ein Raum, der mit hochwertiger Einrichtung ausgestattet war und in dem sich Familie und Freunde versammelten, um Gesang und Instrumentalmusik zu genießen – man könnte ihn als die Bühne des Hauses bezeichnen.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der formelle Salon aufgrund veränderter Lebensgewohnheiten allmählich nicht mehr genutzt, und in Wohnungsgrundrissen sowie in Wohnzeitschriften setzte sich der Begriff „Wohnzimmer“ durch.
Im englischsprachigen Raum des 19. Jahrhunderts diente der Salon (Empfangsraum) nicht nur der Bewirtung von Gästen, sondern auch als Ort für gesellschaftliche Zusammenkünfte und musikalische Darbietungen innerhalb der Familie (sogenannte Salonmusik).
Es war ein Raum, der mit hochwertiger Einrichtung ausgestattet war und in dem sich Familie und Freunde versammelten, um gemeinsam zu singen und Musik zu machen – sozusagen eine Bühne im eigenen Zuhause.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der formelle Salon aufgrund veränderter Lebensgewohnheiten zunehmend seltener genutzt, und in Wohnungsgrundrissen und Lifestyle-Magazinen setzte sich der Begriff „Wohnzimmer“ durch.
Zumindest im Amerika der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der Begriff „Parlor“ umfunktioniert, und es lassen sich Beispiele in damaligen Instrumentenkatalogen finden, in denen Gitarren, die kleiner als die Konzertgröße waren, als „Parlor Size“ vorgestellt wurden.
Auch heute noch findet man in Referenzwerken wie denen der Firma Martin Beschreibungen, in denen Gitarren, die kleiner als Single-O-Gitarren (Konzertgröße) sind, als „Parlor-Gitarren“ bezeichnet werden.
Es ist anzunehmen, dass sich der Begriff „Parlor Music“ vor dem Hintergrund etablierte, dass sich im 19. Jahrhundert der Raum des „Parlors“ (Salons) im häuslichen Umfeld etablierte und dort Musik genossen werden konnte; und dass Instrumente, die kleiner als Konzertgitarren waren und für den Gebrauch an diesem Ort bestimmt waren, als „Parlor Size (Gitarre)“ bezeichnet wurden.
Es handelt sich also um eine Bezeichnung, die sich aus dem Ort der Darbietung (dem Salon) ableitet und gleichzeitig eine Größenangabe beinhaltet.
Es ist zwar schwierig, den Begriff „Parlor-Gitarre“ streng zu definieren, doch ausgehend von den obigen Ausführungen ist es wohl am sichersten, darunter eine Akustikgitarre mit einem 12-Bund-Halsansatz zu verstehen, die kleiner ist als eine Single-O (Konzert-)Gitarre.
Nimmt man jedoch diese enge Definition, so trifft der Begriff „Parlor-Gitarre“, den wir im Alltag verwenden, in der Praxis kaum noch zu, da wir selten Gelegenheit haben, eine Gitarre der Größe 1 oder kleiner in die Hand zu nehmen.
Daher bin ich der Meinung, dass man in der Praxis jede Gitarre mit einem 12-Bund-Halsansatz und einem geschlitzten (oder massiven) Kopf, die eine eher kleine Größe hat, oder im weiteren Sinne jede kleinere Gitarre ohne Weiteres als „Parlor-Gitarre“ bezeichnen kann.
(Ich möchte auch nicht oft Sätze hören wie: „Diese Gitarre ist eine Single-O-Size, also eigentlich keine Parlorgitarre.“)
Vor diesem Hintergrund werde ich in diesem Artikel die Definition der Größe nicht streng festlegen, sondern „antike Gitarren mit den Merkmalen einer Parlorgitarre“ im weiteren Sinne behandeln.
Die „Parlor-Gitarre“ wurde als kleine Gitarre entwickelt, die sich für das Spielen im Salon eignet.
Wir stellen Ihnen ihren Reiz anhand von Fotos antiker Parlor-Gitarren vor, die tatsächlich in unserem Geschäft eingetroffen sind.
Dies ist eine antike Size 2.
Die Rosette und die Einlage sind wunderschön gestaltet, und es handelt sich um ein wertvolles Exemplar, über das es kaum noch Unterlagen gibt.
Size 2 wurde damals als „Ladies’ Size“ bezeichnet und entsprach genau der Größe einer Parlorgitarre.
Übrigens galt 0 (Single-O) als Large Concert Size und Size 1 als Large Size.
Das Herstellungsjahr lässt sich normalerweise anhand der auf dem Halsblock eingravierten Seriennummer bestimmen, doch bei dieser Gitarre fehlt die Seriennummer.
Der Grund dafür ist, dass Martin-Gitarren erst ab 1898 anhand der Seriennummer datiert werden können; daher wird angenommen, dass dieses Exemplar vor diesem Zeitpunkt hergestellt wurde.
„Vor dieser Zeit“ bedeutet den Zeitraum von 1833, dem Gründungsjahr, bis 1897, dochdurch die Betrachtung von Details lässt sich eine grobe Datierung vornehmen.
Zunächst einmal ist da der Stempel auf der Innenseite des Korpusbodens.
Er ist zwar etwas verblasst, aber man kann den Stempel „C. F. MARTIN NEW-YORK“ erkennen.
Wer ein aktuelles Modell besitzt, wird es interessant finden, die beiden Stempel zu vergleichen.
Der heutige Stempel sollte lauten: „C. F. MARTIN & CO. NAZARETH, PA.“
Tatsächlich gibt es neben diesen beiden noch weitere Stempel,
die einen wichtigen Anhaltspunkt für die Datierung darstellen.
Besonders zu beachten ist, ob hinter „C. F. MARTIN“ ein „& CO.“ steht oder nicht.
Als 1867 C. F. Martins ältester Sohn, C. F. Martin Jr., und sein Neffe, C. F. Hartman, in die Geschäftsführung eintraten, wurde der Stempel in „C. F. MARTIN & CO. NEW-YORK“ geändert.
Anhand dieses Stempels lässt sich das Herstellungsjahr dieser Gitarre somit auf den Zeitraum zwischen 1833 und 1867 eingrenzen.
Übrigens findet sich die Gravur „NEW-YORK“ nicht nur auf dem Mittelstreifen auf der Rückseite des Korpus, sondern auch auf dem Halsblock und der Kopfplatte.
Die Familie Martin verlegte ihren Produktionsstandort jedoch in den 1840er Jahren nach Cherry Hill und in den 1860er Jahren nach Nazareth, wo sich der Firmensitz bis heute befindet.
Daher wurden viele Martin-Gitarren, die nach 1840 hergestellt wurden, tatsächlich außerhalb von New York gefertigt.
Dass der „NEW-YORK“-Stempel dennoch weiterhin verwendet wurde, liegt vermutlich daran, dass Martin zu dieser Zeit den Vertrieb weiterhin über New York abwickelte, weshalb diese Gravur vermutlich während des gesamten 19. Jahrhunderts beibehalten wurde.
Auf der leicht grünlich schimmernden Messingplatte sind Distelblüten und -blätter eingraviert, und die durch den Alterungsprozess weiß gewordenen Knöpfe aus Knochen unterstreichen das antike Erscheinungsbild.
Bei genauerem Hinsehen ist oben auf der Platte die Gravur „JEROME“ zu erkennen.
JEROME ist ein in Frankreich hergestellter Stimmmechanismus, der in den 1840er- und 1850er-Jahren bei Martin verwendet wurde.
Aufgrund der Form der Zahnräder und des Vorhandenseins der „JEROME“-Gravur lässt sich vermuten, dass er Anfang der 1850er Jahre hergestellt wurde.
Durch dieses Teil konnte die Herstellungszeit auf die 1850er Jahre eingegrenzt werden.
Es ist sehr bewegend, sich vorzustellen, dass dies das X-Bracing einer Martin aus den 1850er Jahren ist.
Bis in die 1840er Jahre wurden verschiedene Stile wie Ladder-Bracing und Fan-Bracing ausprobiert, und es heißt, dass Martin zu Beginn der 1840er Jahre das X-Bracing entwickelt hat.
Bei diesem Exemplar ist zu erkennen, dass in der Mitte des unteren Korpusbereichs ein Tonbalken angebracht ist.
Dies ist ein Muster, das tatsächlich ab den 1850er Jahren zu beobachten ist; diese Form wurde zum Standard und wurde auch nach den 1860er Jahren beibehalten.
Es handelt sich sozusagen um eine der vollendeten Formen der X-Verstrebung.
Je nach Position der X-Kreuzung im Verhältnis zum Schallloch
man spricht von „Forward Shift“ oder „Rear Shift“, doch man sieht, dass die Kreuzungspunkte des X zu dieser Zeit weit voneinander entfernt sind.
Aufgrund der Stempel, Wirbel und der Verstrebungsform konnte ich somit schlussfolgern, dass diese Gitarre in den 1850er Jahren hergestellt wurde.
Eine Gitarre, die vor mehr als 150 Jahren gebaut wurde, von New York nach Pennsylvania gelangte und von Martin in seiner damaligen Werkstatt in einem Prozess des Ausprobierens gefertigt wurde – man spürt förmlich die Haptik dieses Instruments.
Als Nächstes möchte ich nun den Stil bestimmen.
Heutzutage sind Style-15, Style-18, Style-28, Style-35, Style-41, Style-42 und Style-45 die gängigsten Modelle, doch damals gab es allein in der 20er-Reihe mit den Nummern 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27 und 28 bereits neun verschiedene Ausführungen mit detaillierten Spezifikationen.
Da sich diese je nach verwendetem Holz und Verzierungen unterscheiden, werden wir uns diese nun genauer ansehen.
Für die Korpusseiten und den Boden wird brasilianisches Palisanderholz verwendet.
Da Palisander bereits ab dem Style-17 verwendet wurde, lässt sich der Stil allein daran nicht eingrenzen.
Das Gleiche gilt für die Fichtendecke.
Dennoch vermittelt es den Eindruck einer „schönen Haptik“.
Griffbrett und Steg sind aus Ebenholz.
Genau wie Fichte und Palisander, die als Korpusmaterial verwendet werden,wird auch Ebenholz seit über 150 Jahren eingesetzt.
Wenn man die Steifigkeit, die akustischen Eigenschaften und die Designaspekte berücksichtigt, wird einem erneut bewusst, dass es eben doch dieses Holz sein muss.
Als Nächstes kommt das Halsholz.
In dieser Zeit wird manchmal auch spanische Zeder verwendet.
Dieses Holz wird – mit einigen Ausnahmen – bei Modellen ab dem Style-20 verwendet.
Bei den darunter liegenden Modellen wurden Pappel oder Linde verwendet, und der Hals war schwarz lackiert.
Aus der Verwendung von spanischer Zeder lässt sich ableiten, dass es sich um ein Modell ab Style-20 handelt – ein kleiner Fortschritt also.
Als Nächstes wollen wir uns die Verzierungen ansehen.
Der Korpus ist auf der Ober- und Rückseite mit Holzperlierung und Einfassungen aus brasilianischem Palisander versehen.
Die Schalllochrosette zeichnet sich durch ein Halb-Diamant-Design aus und ist ebenfalls mit Holz verziert.
Die Rückseite ist mit einem Rautenmuster verziert.
Bei den Modellen ab Style-20 wird hauptsächlich Zedernholz für den Hals verwendet,
ab dem Style-24 besteht die Einlage aus farbigem Intarsienholz,
ebenso wie die Endstücke, die in verschiedenen Designs erhältlich sind.
Daher ist davon auszugehen, dass eine relativ schlichte Verzierung wie in diesem Fall den Modellen Style-20 bis 23 entspricht.
Hier eine kurze Erläuterung der einzelnen Modelle.
Style-20 weist mehr Einfassungen als Style-18 auf und verfügt über farbige Intarsien.
Es werden Muster wie Fischgrätenmuster verwendet, und die Größe ist meist 2.
Style-21 ist hauptsächlich in Größe 1 erhältlich.
Style-22 und Style-23 sind zwar in Martins Geschäftsbüchern verzeichnet,
diese Zahlen dienten damals nicht wie heute dazu, die Spezifikationen (Stile) genau anzugeben, sondern galten lediglich als Symbole für den Verkaufspreis (22 Dollar/23 Dollar). Sowohl 20 als auch 21 sind ohne Zweifel Symbole, die den damaligen Preis angeben.
Ab hier handelt es sich um eine Vermutung, aber dieses Exemplar zeichnet sich dadurch aus, dass auch die Endstücke mit Intarsien verziert sind. Da diese Verzierung bei den Modellen Style-20 bis 22 eher selten anzutreffen ist und erst ab Style-24 auftritt, vermute ich, dass es sich um eine Gitarre handelt, die als Style-23 vermarktet wurde.
Eine antike Parlor-Gitarre, die einen so sehr über die Geschichte von Martin nachdenken lässt, ist einfach großartig.
Dies ist eine Parlor-Gitarre der Marke Stewart & Bauer aus dem frühen 20. Jahrhundert.
Stewart & Bauer wurde 1898 von George Bauer, einem Gitarren- und Mandolinenbauer aus Philadelphia, und Samuel Swaim Stewart (S. S. Stewart), der auch als Banjo-Hersteller bekannt war, gegründet.
Die beiden arbeiteten bis etwa 1910 zusammen und stellten auch Instrumente unter ihren jeweiligen Markennamen her, wobei Bauer hauptsächlich Gitarren und Mandolinen und Stewart Banjo baute.
Wie an den feinen Verzierungen zu erkennen ist, vereint dieses Instrument die handwerkliche Kunstfertigkeit und die Ästhetik jener Zeit.
Die Perlemuttverzierung, die den gesamten Korpus umrandet, sowie die Rosette strahlen auch nach über 100 Jahren noch immer, und das Griffbrett ist mit feinen Einlegearbeiten verziert, die Blumen- und Rankenmotive zeigen.
Dieses Blumenmuster ähnelt dem „Tree of Life“-Motiv, das bei Washburn-Instrumenten aus derselben Zeit zu finden ist, zeichnet sich jedoch durch eine feinere Ausführung aus.
Darüber hinaus ist am Halsfuß eine Blumengravur eingearbeitet, wie sie auch bei den Banjos von S.S. Stewart zu finden ist, und für die Verzierung des Rückenstreifens wurde ebenfalls äußerst seltenes Perlmutt verwendet.
Jede einzelne Verzierung zeugt davon, dass die Handwerker ihr Herzblut in diese Gitarre gesteckt haben, um sie zu einem „Kunstwerk jenseits eines bloßen Instruments“ zu machen.
Die Geschichte von Washburn beginnt bei der Firma Lyon & Healy.
Das Unternehmen wurde 1864 von George Washburn Lyon und Patrick Joseph Healy als Vertriebsniederlassung in Chicago für die Veröffentlichungen des Bostoner Musikverlags Oliver Ditson & Co. (Ditson) gegründet.
Ditson ist unter anderem dafür bekannt, dass es 1916 die „Extra Large“-Modelle (111/222/333) bestellte, die als Vorläufer der Martin Dreadnought gelten, was einen Eindruck von dem enormen Einfluss des Unternehmens auf die Musikinstrumentenbranche vermittelt.
Nun, Washburn ist, wie der Name schon sagt, eine Eigenmarke von Lyon & Healy, die auf den zweiten Vornamen von George Washburn Lyon zurückgeht und in den 1880er Jahren ins Leben gerufen wurde. 1887 wurde sie offiziell als Marke eingetragen, und dieser Name wurde den hochwertigen Saiteninstrumenten (Gitarren, Mandolinen, Banjos usw.) verliehen, die im Werk des Unternehmens in Chicago hergestellt wurden.
Heute ist Washburn in der Rockszene bekannt, da Musiker wie Paul Stanley und Nuno Bettencourt diese Instrumente spielen. Lyon & Healy hingegen ist heute als Hersteller von Konzertharfen bekannt, hatte damals jedoch als Komplettanbieter von Mandolinen, Banjos, Parlour-Gitarren und ähnlichen Instrumenten eine Blütezeit.
Dieses Exemplar besticht durch ein Griffbrett mit reichlich Perlemutt und prächtige Verzierungen.
Aufgrund der Einlagen und der Korpusgröße wird vermutet, dass es sich um ein Modell 188 aus den Jahren 1890 bis 1900 handelt.
Das Etikett ist rund.
Auf dem Mittelstreifen der Korpusrückseite sind die Stempel „1896 STYLE“, „GEORGE WASHBURN“ und „NEW MODEL“ zu sehen.
Die Brücke zeichnet sich durch ihre fächerförmig nach außen verlaufenden Seiten aus und wird nach ihrem Konstrukteur George Durkee als „Durkee’s Bridge“ bezeichnet. (Auch andere Brückenformen werden unter diesem Namen vorgestellt.)
Die Saiten werden durch ein Loch im oberen Teil der Brücke geführt – ein innovatives Design.
Die Stimmknöpfe bestehen aus dickem, glänzendem Perlmutt.
Die Platte ist mit Pflanzenmotiven verziert, und an beiden Enden sind Aussparungen in Form von Kronen eingearbeitet.
In dieser Art der Teileverwendung liegt der einzigartige Charme von Antiquitäten.
Hier handelt es sich um eine etwas größere „Grand Concert“ (ca. 360 mm Breite), die der Martin-Größe 00 (Double-O) nahekommt.
Eine genaue Modellbestimmung ist nicht möglich, doch die Form des Stegs und die Verzierungen entsprechen in etwa denen des Modells 367.
Auf der Rückseite des Kopfes ist „WASHBURN“ eingeprägt, und auf dem Mittelstreifen auf der Rückseite des Korpus befindet sich der Stempel „LYON&HEALY MAKERS CHICAGO.U.S.A“, was auf die Wurzeln der Marke hindeutet.
Aufgrund der Form auf beiden Seiten der Platte geht man davon aus, dass es sich um Waverly-Stimmmechaniken handelt.
Da Waverly-Stimmmechaniken etwa ab 1920 bei Martin und anderen Herstellern zum Einsatz kamen, wird angenommen, dass auch diese Gitarre aus dieser Zeit stammt.
Für den Korpus wurde Jacaranda-Holz mit einer sehr markanten Maserung verwendet.
Es handelt sich um eine antike Gitarre, die durch die Harmonie von Holz und Verzierungen besticht und eine gewisse Pracht ausstrahlt.
Im „Salon“ (Empfangsraum), der als Symbol der Mittelschicht galt, standen neben schönen Möbeln und Gemälden auch kleine Gitarren zum Musizieren.
Wenn man sich diese Szene vorstellt, kann man sich vorstellen, dass die Salongitarren des 19. Jahrhunderts nicht nur einfache Instrumente waren, sondern auch als Kunstwerke, die das Leben bereicherten, eine besondere Präsenz hatten.
Und ihr sanfter, zarter Klang war wohl genau der Klang, der die Wärme des Zuhauses symbolisierte.
Wenn man diese antiken Gitarren betrachtet, bei denen die Textur des Holzes, die Perlmuttverzierungen und die für die damalige Zeit typischen Kunststoffverzierungen wunderbar miteinander harmonieren, spürt man, dass die Handwerker sowohl nach „Klang“ als auch nach „Schönheit“ strebten.
Kleine Gitarren, die sich in edle Räume einfügten und die Herzen der Menschen durch Musik miteinander verbanden.
Das ist meiner Meinung nach das Wesen der „Parlor-Gitarre“ und der Grund, warum sie uns auch heute noch so fasziniert.
Autor dieses Artikels: Inoue (Geschäftsführer von Advance Guitars)
Bei TC Gakki war er für E-Gitarren und Akustikgitarren zuständig. Anschließend war er 2023 an der Gründung des Akustikgitarren-Fachgeschäfts Advance Guitars beteiligt. Als Geschäftsführer sammelte er Erfahrungen im Handel mit Sammlern und Musikern im In- und Ausland. Er engagierte sich maßgeblich für die Veröffentlichung des weltweit ersten SJ-Dokumentationsbands „GIBSON KING OF THE FLAT-TOPS“. Darüber hinaus verfasst er zahlreiche Kolumnen.
Ein Wort: „Wenn man von Parlor-Gitarren spricht, stellt man sich meist eine ‚handliche Gitarre‘ vor, aber als ich ihre Wurzeln zurückverfolgte, war ich tief bewegt davon, dass sie über den Rahmen eines Instruments hinausgehen und direkt mit der Geschichte der westlichen Kultur verbunden sind. Besonders die Begegnung mit Martin-Gitarren aus den 1850er Jahren, der Gründungszeit, war für mich eine unvergessliche Erfahrung.“
Qualifikationen und Leistungen: Seit 8 Jahren als Musikinstrumenten-Gutachter tätig, Mitarbeit als Autor und Redakteur für Magazine wie „Acoustic Guitar Magazine“
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