
-Einführung in den Austausch von Tonabnehmern-
Da wir jährlich Hunderte von Gitarren ankaufen und diese bei der Einstellung begutachten, fällt uns auf, dass überraschend viele Gitarren bereits ausgetauschte Tonabnehmer haben. Vermutlich waren die Besitzer mit dem Klang ihrer aktuellen Gitarre unzufrieden und haben den Tonabnehmer ausgetauscht, um das Problem zu beheben.Aus finanziellen Gründen, weil ihnen die Form des aktuellen Halses gefällt oder weil sie keine passende Gitarre finden können, können sie sich keine neue Gitarre leisten... Wer sich bereits gut mit Instrumenten auskennt, verfügt wahrscheinlich über das nötige Wissen, um dieses Problem selbst zu lösen. Was aber, wenn jemand mit ähnlichen Problemen noch Anfänger ist?
Aus diesem Grund haben wir dieses Sonderheft zusammengestellt. Wir hoffen, dass es Ihnen als Anregung dient, die Probleme mit Ihrer eigenen Gitarre zu lösen.


Viele Amateurmusiker (und sogar Profis!) haben zumindest in Bezug auf ihr Instrument und den Klang irgendwelche Unzufriedenheiten oder Probleme. Ich vermute, dass viele den Austausch der Tonabnehmer als einen Ansatzpunkt zur Lösung dieser Probleme in Betracht ziehen. Ein weiterer wichtiger Grund ist wohl, dass man sein Instrument durch den Austausch gegen Tonabnehmer mit bunten Farbvarianten oder im Vintage-Stil gealterten Abdeckungen zu etwas ganz Besonderem umgestalten kann.

Wie sieht es nun mit der tatsächlichen Wirkung aus? Erhält man beispielsweise denselben Klang, wenn man auf das Signature-Modell eines berühmten Musikers umsteigt? Die Antwort lautet leider „Nein“. Selbst wenn man eine Signature-Modell-Gitarre verwendet, ist es unmöglich, denselben Klang zu erzielen, da die verwendeten Geräte, die Umgebung und vor allem der Spieler selbst unterschiedlich sind. Streng genommen ist das wohl der Fall. Auch wenn die Meinungen hierzu sicherlich weit auseinandergehen, gibt es wohl auch die Ansicht: „Es ist Verschwendung, teure Tonabnehmer auf eine billige Gitarre zu montieren!“Meine Meinung dazu weicht davon etwas ab, und ich glaube nicht, dass man das pauschal so sagen kann. Sicherlich hängen der Wert einer Gitarre und die Qualität ihres Klangs zum größten Teil vom Material und der Präzision der Verarbeitung ab. Aber schon allein durch den Austausch des Tonabnehmers verändert sich der Klang definitiv. (Das Ausmaß dieser Veränderung kann natürlich variieren, sowohl zum Guten als auch zum Schlechten…) Wenn es sich um einen selbst ausgewählten Tonabnehmer handelt und der Klang dadurch – wenn auch nur geringfügig – dem eigenen Geschmack entspricht, ist das allein schon eine große Freude, oder?

Auch wenn man von Tonabnehmern spricht, gibt es eine Vielzahl von Varianten. Allerdings gibt es verschiedene Größen wie Single-Coil- und Humbucker-Tonabnehmer, sodass nicht alle Modelle in jede Gitarre eingebaut werden können... Übrigens war es Adolf Rickenbacker, der den elektromagnetischen Tonabnehmer erfand, der den Grundstein für die heutigen elektrischen Tonabnehmer legte.
~Single-Coil-Tonabnehmer~

Der beliebteste Tonabnehmer. Das Modell, das in der Stratocaster verbaut ist. Zu seinen Merkmalen gehören ein hohes Rauschen, ein heller, klarer Klang mit vielen Obertönen ... und so weiter. Bei einem grundlegenden Single-Coil-Tonabnehmer fungieren die sechs Polstücke selbst als Magnete, um die maschinell Draht gewickelt wird (die Standardwindungszahl liegt bei etwa 6.500 bis 8.000. Je höher diese Zahl ist, desto größer wird die Ausgangsleistung, und die hohen Frequenzen werden schwächer).Und was „Flemings rechte Hand“ angeht … wenn ich hier ins Detail gehe, wird es eine lange Geschichte … Kurz gesagt: Wenn die Saiten durch das Magnetfeld dieser Polstücke schwingen, entsteht elektrischer Strom. (Ich habe hier einige komplizierte Details weggelassen …) Dieses elektrische Signal wird vom Verstärker verstärkt und kommt als Ton aus dem Lautsprecher. Heutzutage bieten viele Hersteller Ersatzmodelle an. Hier nur ein paar Beispiele.
Seymour Duncan SSL-1

Ein Replika-Modell des mittlerweile zum Klassiker gewordenen Vintage-Strat-Tonabnehmers. Der Klang, der durch Alnico-5-Magnete (eine Legierung aus Aluminium, Nickel und Kobalt) erzeugt wird, ist ein kraftvoller, kantiger Vintage-Sound. Bei einer leichten Crunch-Verzerrung ergibt sich ein sehr angenehmer Ton.
Fender Vintage Noiseless Strat Pickup

Dieser Pickup ist ein Stacked-Typ (mit zwei übereinanderliegenden Spulen) und bietet einen effektiven Hum-Cancelling-Effekt. Er verfügt über den Klang einer Vintage-Strat aus den späten 50er- bis frühen 60er-Jahren und reduziert die für Single-Coil-Pickups typischen Störgeräusche auf ein Minimum. Da spezielle Potentiometer und Kondensatoren im Lieferumfang enthalten sind, empfehle ich den Kauf als 3er-Set.
DiMarzio DP-184 The Chopper

Hierbei handelt es sich um einen Humbucker in Single-Coil-Größe. Er bewahrt den Charakter eines Single-Coils, verfügt jedoch über eine höhere Ausgangsleistung als der Original-Humbucker. Die Mitten und Bässe kommen dem Original-Humbucker meiner Meinung nach sehr nahe. Er ist mit einer dünnen, vertikal verlaufenden Bar-Pole-Platte ausgestattet, die dafür sorgt, dass sich die Lautstärke auch dann nicht verändert, wenn sich die Saitenposition durch Bending oder ähnliches verändert.
~Humbucker-Tonabnehmer~

Wenn man von Humbucker-Tonabnehmern spricht, denkt man unweigerlich an Gibson, da dieser Humbucker in vielen Gibson-Gitarren zum Einsatz kommt. Seine Entstehung reicht etwa ein halbes Jahrhundert zurück: Seth Lover entwickelte ihn 1956, um das Rauschen magnetischer Tonabnehmer irgendwie zu beseitigen.
Die Idee war, durch die gegenläufige Wicklung einer der beiden Spulen die gegenseitigen Störgeräusche zu kompensieren. Um zu verhindern, dass sich die elektrischen Signale gegenseitig aufheben, wurden die Magnete entgegengesetzt ausgerichtet, wodurch ein rauscharmer Tonabnehmer mit hoher Ausgangsleistung entstand. Im Gegensatz zu Single-Coil-Tonabnehmern bestehen die Polstücke nicht aus Magneten, sondern es befindet sich ein plattenförmiger Magnet unter den beiden in Reihe geschalteten Spulen.Ein Merkmal dieser Bauweise ist, dass durch die Reihenschaltung die Induktivität der Spulen steigt und somit die Ausgangsleistung erhöht wird. Dies lässt zwar tiefe Frequenzen besser durch, verschlechtert jedoch die Hochtonwiedergabe. Das Ergebnis ist also ein Klang, der sich völlig von dem eines Single-Coil-Tonabnehmers unterscheidet. Die Spulen sind etwas niedriger und weisen etwa 5.000 Windungen auf. Außerdem sind die sechs Polstücke beweglich und lassen sich in der Höhe nach oben und unten verstellen.
Gibson PAF

1957 erschien Gibsons erster Humbucker, der PU-490. Er wird PAF genannt, nach den Anfangsbuchstaben des Aufklebers „Patent Applied For“, der auf seiner Rückseite angebracht war. Es werden Alnico-Magnete verwendet, die nicht mit Wachs imprägniert sind, was zu einer Neigung zu Rückkopplungen führt. Dies ist der Grund für das lange Sustain bei Verzerrung durch den Verstärker und bildet die Grundlage für den Drive-Rock-Sound.
Tom Holmes H453 Limited

Ein Sound, der an Gibsons Old PAF angelehnt ist. Er ist nicht mit Wachs imprägniert, verwendet Alnico-4-Magnete und hat eine etwas stärkere Magnetkraft. Außerdem wurde unter den Ersatz-Tonabnehmern, die damals meist offen waren, auch eine abgedeckte Version auf den Markt gebracht, und heute sind auch die mit Alterungseffekten versehenen Abdeckungen sehr beliebt.
DiMarzio Dual Sound

Viele Hersteller bringen Ersatz-Tonabnehmer auf den Markt, die dem Gibson PAF nachempfunden sind, doch gibt es auch zahlreiche Modelle mit eigenem Design, wie beispielsweise von DiMarzio, die den Originalsound nachahmen. Bei den offenen Spulen gibt es eine Vielzahl von Farbvarianten. Bei diesem Modell sind alle 12 Polstücke einstellbar, was zu einem charakteristischen, im Mitteltonbereich angehobenen Klang führt. Für einen noch vielfältigeren Klangcharakter ist zudem ein Coil-Tap möglich.
~Weitere Tonabnehmer~
EMG

EMG gilt heute als Synonym für aktive Tonabnehmer. Genauer gesagt handelt es sich um Low-Impedance-Tonabnehmer, bei denen der Fokus konsequent auf geringste Rauschentwicklung gelegt wurde.Während herkömmliche Tonabnehmer als hochohmige Tonabnehmer bezeichnet werden und durch starke Magnetkraft sowie eine hohe Anzahl an Spulenwindungen eine hohe Ausgangsleistung erzielen, sind sie jedoch anfällig für Rauschen. Im Gegensatz dazu zeichnen sich niederohmige Tonabnehmer durch eine geringe Anzahl an Spulenwindungen und Magnete mit schwacher Magnetkraft aus, wobei die Ausgangsleistung über einen Vorverstärker erzielt wird. Dadurch sind sie äußerst rauscharm. Zum Betrieb des Vorverstärkers ist eine Batterie erforderlich. Sie bieten einen klaren, hellen Klangcharakter und lassen sich hervorragend mit Verzerrern kombinieren.
Gibson P-90

Seine Geschichte reicht überraschenderweise weit zurück und begann um 1946. Er wurde von Walter Fuller entwickelt, und zu dieser Zeit waren die Polstücke noch nicht beweglich. Die Grundkonstruktion besteht aus einem Single-Coil mit zwei Alnico-Magneten unter der Spule. Der Klang ist etwas hell und voll und hat einen warmen Charakter.Er klingt anders als die Single-Coil-Tonabnehmer von Fender. In den 90er Jahren kam zudem das Modell P-100 auf den Markt, das über eine „Stacked-Humbucker“-Konstruktion verfügt. Die Größe entspricht der des P-90, doch aufgrund der gestapelten Bauweise ist der P-100 etwas höher. Auch wenn man ihn als Humbucker bezeichnet, dient er hauptsächlich der Brummunterdrückung, sodass man klanglich wohl von einer rauscharmen Version des P-90 sprechen kann.

Nun wollen wir die Tonabnehmer austauschen. Wenn es sich um einen Austausch zwischen Teilen mit grundsätzlich gleicher Bauweise handelt (z. B. Single-Coil gegen Single-Coil), sind keine Bearbeitungen am Gitarrenkorpus erforderlich; man montiert den neuen Tonabnehmer einfach an die Stelle, an der der alte entfernt wurde – so einfach ist das. Nehmen wir als Beispiel eine Stratocaster. Zunächst entfernen wir das Schlagbrett zusammen mit dem Tonabnehmer vom Gitarrenkorpus.Trennen Sie die beiden Ausgangsleitungen, die mit der Buchse verbunden sind, sowie die Erdungsleitung. Wenn diese ausreichend lang sind, werden Sie keine Einschränkungen spüren, wenn Sie sie nicht abklemmen; sind sie jedoch zu kurz, wird die Arbeit sehr mühsam. Da es grundsätzlich gilt, die Verkabelung der Gitarre so übersichtlich und ohne unnötige Verlängerungen wie möglich zu halten, sind Kabel, die so lang sind, dass man das Schlagbrett abnehmen und neben den Korpus legen kann, nicht besonders gut. Als Nächstes entfernen Sie die Tonabnehmer; es empfiehlt sich, sich zu notieren, welche Leitung an welchem Anschluss saß.

Wenn Sie die neuen Tonabnehmer einbauen, sollten Sie diese nicht einzeln verlöten, sondern zunächst alle Tonabnehmer auf dem Schlagbrett montieren. Wie bereits erwähnt, sollte die Verkabelung einer Gitarre so übersichtlich und ohne überflüssige Kabel wie möglich sein. Da die Anschlusskabel der neuen Tonabnehmer etwas länger sind, ist es optisch ansprechender, wenn Sie zunächst alle Tonabnehmer montieren und die Kabel anschließend auf die richtige Länge zuschneiden.

Die Anschlussdrähte sollten an einer geeigneten Stelle mit Kabelbindern gebündelt werden. Nun folgt das Löten, aber vergiss nicht, die Drähte vorzulöten. (Das bedeutet, die abisolierten Enden der Drähte leicht mit Lötzinn zu überziehen.) Dadurch lässt sich das Lötzinn beim Löten leichter aufbringen.

Nachdem Sie den Schalter angeschlossen haben, löten Sie nun drei Erdungsdrähte auf die Rückseite des Lautstärkereglers. Es ist überraschend schwierig, diese drei Drähte gleichzeitig zu verlöten. Wenn man sie zu einem Bündel verdreht und vorlötet, lösen sie sich kaum und das ist effektiv, aber es ist mühsam, sie wieder zu lösen, wenn man später nur einen einzelnen austauschen möchte. Manchmal lässt sich das alte Lötzinn nur schwer schmelzen, wenn man es wiederverwenden will. In solchen Fällen lässt es sich leicht schmelzen, wenn man etwas neues Lötzinn hinzufügt. Achten Sie darauf, nicht zu viel Lötzinn aufzutragen.

Das war’s auch schon mit der Austauschprozedur. Stellt die Höhe des Tonabnehmers ein und probiert gleich mal den Klang aus!
Übrigens ist es eine relativ einfache Möglichkeit zur Individualisierung, beim Austausch des Tonabnehmers auch Potis, Kabel und Kondensatoren zu wechseln. Allein durch diese Änderungen verändert sich der Klang zweifellos.Nur so am Rande: Während bei Haushaltsgeräten und Autos überwiegend japanische Produkte gewählt werden, werden bei Gitarrenteilen aus irgendeinem Grund Produkte aus den USA bevorzugt. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Originalteile von Fender und Gibson aus den USA stammen. Unter diesen scheinen Teile von CTS und CRL, die einen großen Marktanteil haben, besonders beliebt zu sein. Dabei sind japanische Produkte gar nicht schlecht...
Aus diesem Grund… ein dringendes Sonderprojekt!!

Bisher habe ich mich immer nur mit Tonabnehmern beschäftigt, aber da kam mir plötzlich ein Gedanke… Haben Sie schon einmal daran gedacht, die Kondensatoren auszutauschen? Das Thema wird in letzter Zeit in verschiedenen Kreisen diskutiert, also habe ich mal die Kondensatoren, die ich zufällig zur Hand hatte, probeweise ausgetauscht und getestet. Gerüchte? Man hört ja oft, dass sich nach dem Austausch kaum etwas ändert oder dass man den Unterschied akustisch kaum wahrnehmen kann – aber wie sieht es nun tatsächlich aus?

* Oben links: Keramikkondensator, oben rechts: Orange Drop, unten links: Ölkondensator, unten rechts: Folienkondensator
Keramikkondensator
Er klingt klar und neutral. Im Vergleich zu den anderen drei machte er auf mich den Eindruck, am ausgewogensten zu sein. Man könnte ihn wohl als „Standard“ bezeichnen...
Orange Drop
Dieser vermittelt einen helleren Eindruck als der Keramikkondensator. Er klingt rau und knackig. Wenn man ihn über das Kabel spielt, klingt er etwas kratzig. Außerdem wirkte er bei gedrosseltem Tone milder als der Keramikkondensator.
Öl-Kondensator
Auch dieser klingt hell und klar, wirkt aber etwas zurückhaltender als der Orange Drop. Die Klangdefinition ist jedoch sehr ausgewogen. Der Klang wirkt irgendwie „hi-fi“-artiger. Wenn man den Tonregler zurückdreht, scheint der Klang etwas zu verschwimmen, aber von den hier getesteten Modellen gefällt mir dieser am besten.
Folienkondensator
Diese findet man oft in preisgünstigen Gitarren. Vielleicht liegt es an dieser Vorurteil, aber der Klang wirkt insgesamt etwas leicht. Es fehlt der Glanz in den Höhen. Ich hatte das Gefühl, dass das für mich nicht das Richtige ist.
Ich habe diese vier Varianten verglichen, und tatsächlich gab es Unterschiede. Diese Unterschiede sind jedoch geringfügig und stellen keineswegs einen entscheidenden Unterschied dar, der einen Austausch des Effektpedals rechtfertigen würde. Ich habe jedoch festgestellt, dass sich selbst kleinste Klangveränderungen durch den Austausch von Kabeln, Lötzinn, Potis usw. summieren und nicht zu unterschätzen sind. Es handelt sich zwar um zu einfache Maßnahmen, um sie als Umbau zu bezeichnen, aber da die Effekte interessant sind, sollten Sie sie unbedingt ausprobieren.
Wie hat es Ihnen gefallen? Freuen Sie sich schon auf den nächsten Beitrag.
In unserem Shop führen wir eine große Auswahl an Tonabnehmern und Ersatzteilen.

