„Ich möchte eine Anime-Gitarre bauen“, bringt der Geschäftsführer das Thema immer ganz unvermittelt zur Sprache. Ob es nun eine spontane Idee war oder er sie schon länger im Hinterkopf hatte – jedenfalls wurden die Anime-Fans zusammengerufen, um zu besprechen, welche Anime-Figuren wie umgesetzt werden sollten. Von „Sazae-san“ bis „Evangelion“ – je nach Generation unterscheiden sich auch die Vorlieben.Da von Anfang an feststand, dass wir keine Gitarren bauen wollten, bei denen lediglich ein Aufdruck auf der Oberseite angebracht wird, verliefen die Besprechungen zäh. Plötzlich fragte ein (relativ) junger Mitarbeiter: „Wie wäre es mit Tachikoma?“, und als wir uns gemeinsam die Bilder ansahen, hatten wir das Gefühl, mit dem rundlichen Design und dem liebenswerten Charakter die richtige Richtung gefunden zu haben.
Sofort ließen wir die Mitarbeiter einen groben Entwurf erstellen und tasteten uns durch die komplizierten Verfahren. Auch der Geschäftsführer, der zunächst gefragt hatte: „Was ist denn eigentlich ein Tachikoma?“, schien sich heimlich die gesamte Anime-Fernsehserie von der ersten bis zur letzten Folge angesehen zu haben, und ehe wir uns versahen, standen im Büro bereits Figuren davon.
So begann das „TACHIKOMA GT“-Projekt.
Wenn wir es schon machen, dann wollen wir ein großartiges Instrument schaffen; wenn es eine Gitarre ist, die von einem Gitarrenbauer hergestellt wird, dann soll sie diesem Anspruch gerecht werden. Die Spezifikationen: durchgehender Hals, kopflos und ein leuchtendes Griffbrett. Immer mehr Träume flossen hinein, und gleichzeitig stiegen die Kosten. Trotz zahlreicher innerer Konflikte waren wir uns einig: Wenn wir bei den Kosten Kompromisse eingehen müssten, wäre es kein Traummodell mehr. Wir wollten ein Modell entwickeln, bei dem wir bis ins kleinste Detail auf Perfektion achteten, bis wir das Gefühl hatten: „Das ist die Gitarre, die ich mir wirklich wünsche.“ So festigten sich schließlich die Spezifikationen.
Und wenn wir sie schon bauen, dann hier in Japan. Wenn wir mit einem der repräsentativsten Anime-Werke Japans zusammenarbeiten, dann mit einer handgefertigten Gitarre, die mit japanischer Technik und Seele hergestellt wurde. Wir wollen auf „Made in Japan“ bestehen. TC Gakki wurde schließlich als Gitarrenmarke ins Leben gerufen, die die japanische Kultur in die Welt hinaus trägt.
Auf der Grundlage des Entwurfs – mit Vorschlägen wie „Wenn wir das hier noch ein bisschen runder machen würden“ oder „Damit es noch mehr wie ein Tachikoma aussieht“ – entstand mit der Liebe aller Beteiligten ein Miniatur-Prototyp!
Auch die Mitarbeiter von Production I.G. waren begeistert, was uns sehr beruhigte. Nach verschiedenen Formalitäten ging es endlich an den Start der Produktion
Auf geht’s zu einer der führenden Gitarrenwerkstätten in Tokio! In zahlreichen Besprechungen feilten wir an den Details. Die Wahl
des Holzes, die Gewichtsangaben – unser Traum nahm nun endlich konkrete Formen an.
Unter Berücksichtigung der Spielbarkeit im Bereich des Halsfußes sowie der für kopflose Gitarren typischen einfachen Stimmung am Korpusende wurden Tag und Nacht sorgfältige Besprechungen zur Korpusform geführt.
Nach unzähligen Überarbeitungen war die Zeichnung im Maßstab 1:1 endlich fertig.
Auch wenn die Zeichnung feststeht, kann es vorkommen, dass die Spielbarkeit beim tatsächlichen Übertragen auf die Holzschablone nicht den Erwartungen entspricht. Um dies zu berücksichtigen, werden verschiedene Schablonen vorbereitet.
Hier wird gerade die Holzform angefertigt. Durch die Kombination
verschiedener Muster legen wir die endgültige Form fest.
Nach dem Ausprobieren zahlreicher Kombinationen haben wir uns schließlich für diese Holzform entschieden!
Sorgfältig ausgewähltes Holz. Da es sich um eine Through-Neck-Konstruktion handelt, verwenden wir großzügig geflammtes Ahornholz. Für die Korpusseiten wurde nach langem Ausprobieren aufgrund der Gewichtsverteilung und der natürlichen akustischen Eigenschaften Linde gewählt.
Die Form der Gitarre nimmt Gestalt an – wie aufregend!
Klein, leicht und natürlich. Dennoch hat sie einen soliden Kern. Es ist uns gelungen, Materialien auszuwählen, die den Charakter von Tachikoma voll zur Geltung bringen.
Für den Steg und den Kopf haben wir uns für ABM aus Deutschland entschieden.
Der Tonabnehmer-Schalter wurde in Anlehnung an die rote Lampe von Tachikoma gefertigt. Ich bin gespannt
, wie das Endergebnis aussehen wird.
Anhand eines Probestücks legen wir die Position der Teile fest. In dieser Phase handelt es sich bei den Lautstärkereglern noch um Muster. Da dies ein wichtiges Bauteil ist, das den Charakter der Tachikoma bestimmt, haben wir den Hersteller gebeten, sie ohne Kompromisse immer wieder neu anzufertigen.
Welches Modell sieht nach dem Einbau wirklich nach einer Tachikoma aus? Die Größe und der Abstand der Punkte verändern die Wirkung erheblich. Wir haben so lange Prototypen angefertigt, bis wir zufrieden waren. Vielen Dank an alle Mitarbeiter der Werkstatt, die die Teile immer und immer wieder angefertigt haben.
Nun beginnen
wir endlich mit der Bearbeitung der leuchtenden Linien auf dem Griffbrett.
Wir gravieren immer wieder dieselbe Linie ein und erweitern die Rille dabei nach und nach.
Sobald die Rille fertig ist, wird endlich das Neon eingebaut. Wir führen die Arbeiten sorgfältig aus.
Wir montieren das Griffbrett mit den eingebauten Neonröhren und führen die Endbearbeitung durch.
Der zweite wichtige Schritt: das Einsetzen der Bünde. Da das Griffbrett mit OLED-Neon ausgestattet ist, erfordert das Einsetzen der Bünde besonders hohe handwerkliche Fähigkeiten. Aus
diesem Grund sollten die Bünde möglichst lange halten. Aus dieser Überlegung heraus wurden – trotz des damit verbundenen Aufwands und der höheren Kosten – Edelstahlbünde verwendet.
Zunächst geht es an die Bearbeitung der Bünde
Da es sich um hochfeste Edelstahlbünde handelt, ist die Bearbeitung äußerst schwierig.
Die Saitenfüße werden entsprechend der Position der Neonröhren zugeschnitten.
Unten sind die bereits bearbeiteten Bünde zu sehen. Jeder Bund wird einzeln von Hand entsprechend der Position der Neonleuchten bearbeitet. Da es 24 Bünde sind, ist der Arbeitsaufwand beträchtlich.
Das Einsetzen der Bünde erfolgt mit größter Sorgfalt, um die Neonröhren nicht zu beschädigen.
Das Einsetzen der Bünde ist abgeschlossen. Lichttest. Es leuchtet!
Nun geht es endlich ans Lackieren. Die Farbe wird in einem für Tachikoma typischen Blau gemischt. Um die für Tachikoma typische Textur zu erzielen, wird besonders sorgfältig auf das Mischungsverhältnis von Blau und Silber geachtet.
Die unlackierte Gitarre vor dem Lackieren. Das Aufsprühen erfolgt sowohl feinfühlig als auch kühn.
Die Gitarre nimmt nach und nach das Blau der Tachikoma an. Der aufregendste Moment!
Nun folgt die Trocknungsphase. Nach dem Entfernen der Abdeckfolie kommt der wunderschöne durchgehende Hals zum Vorschein.
Nach dem Trocknen wird eine Klarlackschicht aufgesprüht.
Ein Teil des Logos von „Ghost in the Shell: S.A.C. 2nd GIG“ wurde angebracht. Dafür wurden speziell angefertigte, blau eloxierte Teile von B,W&R verwendet
.
Obwohl ich mir bei der Herstellung des Knopfes viel Mühe gegeben habe, kommt die Ausstrahlung der Tachikoma-Augen nicht ganz zur Geltung, wenn man ihn einfach nur auf das Gehäuse setzt. Deshalb habe ich eine spezielle Aluminiumplatte angefertigt. Damit sieht es schon viel mehr nach Tachikoma aus.
Nachdem die Lackierung abgeschlossen ist, geht es endlich an den Zusammenbau. Durch das Einfügen von Weiß in die Escutcheons entsteht ein Zweifarb-Effekt mit Blau, was den Tachikoma-Charakter noch verstärkt. Auch wenn mir jemand vorwirft: „So etwas fällt doch niemandem auf!“, mache ich es trotzdem.
Da ist sie! Die rote Lampe. Genau das wollte ich erreichen.
Die gravierte Rückplatte sieht einfach umwerfend aus!
Ich baue alle sorgfältig ausgewählten Teile ein und verlege die Kabel.
Auch beim Ausgangsanschluss habe ich Wert auf Details gelegt und ihn genau an der Stelle angebracht, an der sich der Mund des Tachikoma befindet.
Wenn man es so als Geschichte erzählt, scheint es im Handumdrehen zu gehen, aber es war ein langer Weg: zwei Jahre von der Idee bis zur Umsetzung und ein Jahr vom Entwurf bis zur Fertigstellung. Die Emotionen, als das erste Exemplar fertig war, waren nicht von dieser Welt. Es fühlte sich an, als hätte ich ein echtes Tachikoma getroffen, und ich hatte das Bedürfnis, ihm etwas zu sagen.
Nun, so ist das TACHIKOMA GT entstanden. Ich möchte, dass ihr alle seinen wahren Wert selbst in die Hand nehmt und euch davon überzeugt. Das TACHIKOMA GT wartet auf euch.
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